Good to Know
1899 Hoffenheim ist ein Dorfverein. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass das Team aus dem Bundesliga-Standort mit den wenigsten Einwohnern kommt.
Nimmt man nur die 3.266-Einwohner-Gemeinde Hoffenheim, so löst die TSG 2008 die bis dahin kleinste Bundesliga-Stadt Unterhaching (ca. 22.000 Einwohner) ab. Rechnet man die Einwohnerzahl von Sinsheim, wo auch die Spiele der TSG ausgetragen werden, hinzu, so kommt man auf 36.000 Einwohner – und liegt damit hinter ,,Haching“. Bevor die Münchner Vorstädter 1999 in die Bundesliga kommen, hat der saarländische Klub FC 08 Homburg mit 44.000 Einwohnern den Titel ,,kleinste Bundesliga-Stadt“ über mehr als zehn Jahre inne. Aber: 1899 Hoffenheim kann sich anders als die übrigen ,,Kleinen“, Unterhaching, Homburg oder auch zuvor Borussia Neunkirchen (47.000 Einwohner) nicht nur dauerhaft in der Bundesliga etablieren, sondern man schafft auch als einziger der ,,Dorfklubs“ den Sprung ins internationale Geschäft.
Dieser Aufstieg wird durch die massive Förderung von Verein und GmbH durch den SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp möglich. Mit Hilfe seiner finanziellen Unterstützung gelingt zwischen 1990 und 2008 der Aufstieg von der Kreisliga A bis zur Bundesliga. Das ist bekannt. Eher unbekannt ist, dass der Trigger für das Engagement von Hopp der Legende nach eine Niederlage der TSG Hoffenheim im Relegationsspiel gegen den 1. FC Stebbach (2:4 nach Verlängerung) und der Abstieg des Vereins aus der Bezirksliga in die Kreisliga A im Jahr 1989 sind. Als Folge – so heißt es - beschließt der SAP-Mitbegründer und Milliardär seinen Heimatverein als Mäzen finanziell zu unterstützen.
Der Aufstieg der TSG Hoffenheim ist mit viel Geld und teuren Spielerverpflichtungen wettbewerbsverzerrend erkauft worden. Das mögen viele „Hoffe-Hater“ so sehen. Es stimmt aber nur bedingt. Vielmehr ist die TSG ein Transfer-Gigant vom Dorf mit einer Spürnase für Spieler, die sich teuer verkaufen lassen. Beispiele gefällig? Zehn Spieler hat die TSG in den letzten neun Jahren (Stand: Dezember 2019) für einen zweistelligen Millionenbetrag an andere Vereine transferiert und hierfür insgesamt 242.5 Millionen Euro erlöst (Quelle: Transfermarkt.de). Mit Joelinton und Firmino sind zwei Spieler unter diesen zehn, die mehr als 40 Millionen Euro Ablöse einbringen. Die teuersten Spielerverkäufe sind:
Was auch selten in den Medien Erwähnung findet: Hopp hat für den Verein in den 1960-er Jahren gespielt, als dieser nie über die A-Klasse Sinsheim hinauskommt. Legend has it, dass der Stürmer Hopp vom örtlichen Fleischer für jedes Tor eine Büchse hausgemachte Leberwurst erhält. ,,Wenn durch diese freundschaftliche Geste die emotionale Bindung zwischen Hopp und dem Verein entstand, sollte man dem Metzger im Kraichgau ein Denkmal bauen“, heißt es dazu im Hoffenheim-Special von bpa-Media (2009).

